Erinnerung an Fritz Pleitgen

Fritz Pleitgen, erster Botschafter der INITIATIVE HÖREN

Am 15. September dieses Jahres ist der erste Botschafter der INITIATIVE HÖREN, der frühere WDR-Intendant und Direktor der Kulturhauptstadt RUHR2010, Fritz Pleitgen, im Alter von 84 Jahren gestorben. Viele, die ihn gekannt haben, verneigen sich vor ihm mit großem Respekt und hoher Wertschätzung für seine Leistungen als Journalist, als ARD-Korrespondent, als WDR-Intendant und vor allem auch als Mensch.

Fritz Pleitgen war der erste Botschafter der INITIATIVE HÖREN, zusammen mit der damaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und mit dem damaligen Präsidenten des Deutschen Kulturrats, Max Fuchs. Sie vertraten die in der INITIATIVE HÖREN zusammengeführten Bereiche Medien, Gesundheit und Kultur. Alle drei Botschafter (ein logistisches Wunder) saßen am 12.12.2002 im ARD-Hauptstadtstudio Berlin auf dem Podium der Pressekonferenz zur Gründung der INITIATIVE HÖREN und verlasen ihre Statements zur Bedeutung und Notwendigkeit einer bundesweiten „Allianz für das Hören“. 

Kurz-Video mit Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats), Ulla Schmidt (Bundesgesundheitsministerin) und Fritz Pleitgen (WDR-Intendant) vom 12.12.2002 im ARD-Hauptstadtstudio Berlin

„Fritz Pleitgen war mein erster Intendant als ich 1999 als WDR 3 Programmchef begann. Ohne ihn und sein Vertrauen in meine Arbeit wären die beiden Netzwerke, die ich schaffen durfte, nicht zustande gekommen: Die WDR 3 Kulturpartnerschaften und die INITIATIVE HÖREN. Er präsentierte das Modell der WDR 3 Kulturpartnerschaften als eine „einfache, aber geniale Idee“ wo immer er konnte und propagierte dessen Nachahmung in der ARD. Die Initiative Hören nannte er „eine pfiffige Idee“, die dazu beitrug, „unsere Existenz zu sichern. Das Hören ist ja die entscheidende Voraussetzung für unsere Aufgabe. Wer unsere Radioprogramme nicht hören kann, wer unsere Fernsehprogramme akustisch nicht mitbekommt, den haben wir verloren.“ Ich habe Fritz Pleitgen bei vielen Gelegenheiten, öffentlichen Veranstaltungen und internen Sitzungen, erleben können. Er hatte immer einen aufrechten Gang, war konzentriert und präsent, schlagfertig und mitdenkend, nie einschmeichelnd, nie unterwürfig, immer wach und zugewandt.Fritz Pleitgen ist viel zu früh gestorben! Ich hätte ihn gerne noch des Öfteren bei unseren Veranstaltungen im WDR-Funkhaus gesehen und mit ihm gesprochen – oder geschwiegen. Denn auch das konnte er. Ich erinnere mich an eine unserer letzten Begegnungen im Funkhaus. Da stand er vor mir, der im doppelten Wortsinn große Mann, und schaute mich an. Er schwieg. Und ich ebenfalls. Es war eine angenehme Wärme spürbar. Dann sagte er plötzlich: „Herr Karst“ (er siezte eigentlich alle bis auf seine Kinder und seine Frau), „ich fühle mich Ihnen immer sehr verbunden“. „Das beruht auf Gegenseitigkeit“, antwortete ich – und war ebenso verlegen wie berührt.“

Prof. Karl Karst, Vorsitzender der INITIATIVE HÖREN und bis 2019 Programmchef WDR 3, zum Ableben von Fritz Pleitgen

Prof. Karl Karst (stehend) bei seinem Statement zur Gründung der INITIATIVE HÖREN am 12.12.2012 im ARD-Hauptstadtstudio Berlin (mit v.l.n.r.: Olaf Zimmermann, Thomas Roth, Ulla Schmidt, Fritz Pleitgen, Max Fuchs, Karl Karst und Georg Ruppelt, dem Vorsitzenden der Stiftung Lesen)
Thomas Roth (Studioleiter, stehend) bei seiner Begrüßung im vollbesetzten Konferenzsaal des ARD-Hauptstadtstudios Berlin anl. der Pressekonferenz zur Gründung der INITIATIVE HÖREN am 12.12.2012 (mit v.l.n.r.: Olaf Zimmermann, Thomas Roth, Ulla Schmidt, Fritz Pleitgen, Max Fuchs, Karl Karst und Georg Ruppelt, dem Vorsitzenden der Stiftung Lesen)